Witterungsfeste Pulverlacke

Sonnenschutz im Outback

Ob in Minen im australischen Outback oder auf verregneten Straßenbaustellen, der Lack auf den Baumaschinen von Wirtgen muss viel aushalten.

Schutzkleidung: Die Anforderungen an die Lackierung der Surface Miner in den australischen Erzminen sind gigantisch.

Anfällige Stahlriesen

Es regnet wieder einmal in alle Richtungen an einem dieser Tage auf der Baustelle. Trotz Gummistiefel, Regenjacke und Mützen läuft den Mitarbeitern der Straßenbaumannschaft das Wasser nur so den Nacken runter. Aber das müssen sie aushalten. Und es kommen ja wieder sonnige Tage.

An den großen Brummern, wie dem neuen Kaltrecycler und Bodenstabilisierer WR 250 von Wirtgen, perlt der Regen einfach ab. Diese Baumaschinen wiegen 31 Tonnen und leisten 777 PS. Bei Arbeitsbreiten von bis zu 2,4 Me-tern pulverisieren die Fräswalzen bis zu 25 Zentimeter dicken Asphalt. An einem Tag verwandelt eine Maschine so nahezu einen Hektar in einen tragfähigen Straßenunterbau, was einer Fläche von drei American-Football-Feldern entspricht. In einem einzigen Arbeitsgang fräst der WR 250 marode Straßen auf, granuliert sie, sprüht die passende Menge Bindemittel und Wasser hinzu und vermischt das Ganze – sozu-sagen „en passant“ ist die neue Tragschicht fertig, auf der gleich eine neue Straße ausgerollt wird; Straßenfertiger und Walzen stehen schon für den nächsten Arbeitsschritt bereit.

So großen Maschinen kann natürlich kein Regen etwas anhaben. Aber Steinchen zum Beispiel. Kleine Teilchen, die mit der entsprechenden Fluggeschwindigkeit auf lackierten Oberächen Unschönes anrichten. Kommen noch Luftfeuchtigkeit oder Regen hinzu, entsteht unausweichlich Rost. Gegen Korrosion sind selbst diese Stahlriesen machtlos. Die Kombination von Wasser, Erdboden und Atmosphäre lässt Stahl nach einiger Zeit so brüchig wie ein Butterkeks werden.

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Extreme Bedingungen: der Wörwag-Pulverlack hält.

Vom Regen in die Hitze

Rohstoff-Firmen, die Baumaschinen wie die Surface Miner beispielsweise in Australien für die Gewinnung von Eisenerz einsetzen, kennen die schädlichen Folgen von UV-Strahlen und Erdreich nur zu gut. Die bis zu 1623 PS starken und 200 Tonnen schweren Abbaugeräte stehen rund um die Uhr im Einsatz. Auch hier geht alles in einem Arbeitsgang: Gestein schneiden, zerkleinern und verladen – kein Bohren und Sprengen nötig. „In den Minen werden unsere Schneidwerkzeuge fast an ihre Grenzen gebracht. Eisenerz ist ein extrem hartes Material“, erzählt Johann Kroheck, Leiter der Oberächentechnik beim deutschen Baumaschinenhersteller Wirtgen. „Auch die Lackierung der Surface Miner muss den extremen Bedingungen vor Ort standhalten. Qualitätsprobleme wegen korrodierter Bauteile, weil die Beschichtung nicht hält, können wir uns nicht erlauben.“ Speziell im Mining müssen die Maschinen stets verfügbar sein, jeder Ausfall verzögert die Materialgewinnung und kostet viel Geld. „Natürlich schützen wir unsere Bauteile mit entsprechendem Lack. Es gibt mehrere Produkte, die gut gegen Korrosion sind“, weiß Kroheck. „Wir wollten jedoch eine ressourcenschonende Methode einsetzen und haben die Vorbehandlung der Bauteile genau geprüft.“

„Natürlich schützen wir unsere Bauteile mit entsprechendem Lack.“

Johann Kroheck

50 Prozent Kapazitätssteigerung

Am Windhagener Firmenstandort von Wirtgen in Rheinland-Pfalz steht die Großteilbeschichtungsanlage, in der bis zu 30 Tonnen schwere Elemente aus Stahl vorbehandelt und lackiert werden. Sie wirken so leicht, wie sie da an Ketten hängend über das Fördersystem von Station zu Station gefahren werden! Zuerst geht’s in die Automatikstrahlanlage, wo die Oberfläche von jeglichen Rückständen wie Rost, Zunder oder Schlackenresten befreit wird. Früher mussten diese Oberächen teilweise angeschliffen werden, damit die Grundierung besser haften konnte.

„Diese Vorbehandlung ist entscheidend, denn die Qualität der Oberflächen kann sehr unterschiedlich sein.“ Noch robuster wird so eine Oberäche, wenn der Lack in zwei Schichten (Zwei-Schicht-Lacksystem) aufgetragen wird. Aber dies treibt wiederum die Kosten in die Höhe, denn bisher war eine Zwischenvernetzung im Ofen nötig. Und das kostet Energie. Kroheck lächelt entspannt: „Das haben wir mit Wörwag hinbe- kommen: eine Pulver-auf-Pulver-Beschichtung, ohne Zwischenvernetzung. Grundieren, Decklackieren und dann in den Ofen. Alles in einem Arbeitsgang, genau wie bei unseren Maschinen.“

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Eine Frage der Technik: Experten verpassen den Baumaschinen den schützenden Pulverlackmantel in Handarbeit.

So funktioniert Pulver auf Pulver

Mit der Grundierung wird die Oberfläche vor Korrosion, mit dem Decklack die Grundierung vor UV-Strahlen und Witterungseinüssen geschützt. Der Pulverlack wird mittels Tribo-Technik (über Reibung der Pulverteilchen wird eine statische Auadung erzeugt) aufgetragen. Bei dieser Technik wird eine Sprühpistole auf eine Lanze montiert, mit der die Lackierer problemlos jede Stelle erreichen können. Im letzten Schritt werden die zwei Schichten im Ofen zu einer Einheit verbunden. Nachdem das Bauteil eine Stunde später etwas abgekühlt ist, kann es bereits ausgeliefert werden. Diese Methode hat sich für die beiden Firmen Wirtgen und Wörwag sehr gut bewährt. Das Verfahren kommt ohne den energie- und zeitintensiven Schritt des Zwischenvernetzens aus. Die Produkte wurden so konzipiert, dass der Decklack perfekt auf dem grundierenden Lack haftet. Die W 880 (Super durable Polyester) werden speziell für Oberächen hergestellt, die harten Witterungsbedingungen standhalten müssen.

Jochen Reihs von Wörwag führt regelmäßig Schulungen zum Thema Pulverlack durch.

Umfangreiches Wissen

Ganz besonders an der Nahtstelle, also da, wo die Fläche auf Kanten oder Linien trifft, muss der Schichtdickenaufbau auch gut sein“, weiß Jochen Reihs, Leiter des Wörwag-Kundenlabors für Bau- und Landmaschinen. „Das Pulver muss daher durch ein angepasstes Applikationsverfahren statisch aufgeladen werden, damit es auch diese heiklen Stellen bedeckt und schützen kann“, verrät der gelernte Lackchemiker. „Die neue Anlage läuft seit drei Jahren einwandfrei“, freut sich Kroheck. Seit letztem Jahr beschichtet Wirtgen über 50 Pro-zent seiner Bauteile mit Pulver in diesem neuen Verfahren. Die Kapazität der Anlage wurde damit um zehn bis fünfzehn Prozent gesteigert, die Verweilzeit eines Bauteils in der Anlage um die Hälfte reduziert. Die Beschichtung auf diesen Riesenmaschinen erfüllt die Bedingungen für die anspruchsvollsten Kategorien für Korrosionsschutz: Küstenbereiche, hohe Luftfeuchte, aggressive Atmosphäre.

Die „Parkplätze“ rund um die Produktionsanlage in Windhagen erinnern an Szenen aus einem Science-Fiction-Film: Es stehen etwa 25 Meter lange, drei Meter große, fertig gebaute Baumaschinen nebeneinander, abholbereit für ihre neuen Besitzer. Man könnte sich darin verirren. Jeder Besen, jedes Werkzeug steht an seinem Platz. Die Schweizer Kuhglocke allerdings, die als Dekoraktion in der Anlage hängt, passt so gar nicht in die Szenerie. „Das ist eine Treichel. Die erkennt man an der Oberäche, die gehämmert und nicht wie bei den Glocken gegossen ist“, klärt Jochen Reihs, der sein umfangreiches Wissen regelmäßig in Wörwag-Schulungen vermittelt, „die schenkt der Schweizer Anlangenbauer, die MS Ober-ächentechnik, jedem neuen Kunden.“

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Jochen Reihs

kennt sich in der Beschichtung von Pulverlack bestens aus und führt regelmäßig Schulungen zu diesem Thema durch: „Als Leiter des Kundenlabors für Baumaschinen habe ich viele Tipps auf Lager und gebe mein Fachwissen gerne weiter.“

Nachhaltigkeit in  neuen Märkten

Nachhaltigkeit in neuen Märkten

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