Kundenporträt

Die Rastermänner

Die Welt ist eine Kugel. Sie ist aus Metall, hat einen Durchmesser von 25 Millimetern und sechs Löcher. Für den Möbelbauer USM ist sie der Mittelpunkt des Universums. Der Designklassiker hat die ganze Bürowelt verändert.

Möbel als stilbildendes Element moderner Raumgestaltung.

Logischer Ansatz

Auf die Idee muss man erst mal kommen: aus den Konstruktionsplänen für eine neue Fabrikhalle gleich noch die Einrichtung für die ganze Firma abzuleiten. Und mehr noch, gleich ein System zu finden, mit dem sich die ganze Welt aufräumen lässt. Zumindest die Arbeitswelt. Es ist keine Fiktion aus einer fernen Galaxie, sondern eine Idee aus dem Schweizer Kanton Bern, entstanden Mitte der 60er-Jahre.

Paul Schärer Jr. tritt als Modernisierer in das Familienunternehmen ein, das eine Tradition seit 1885 hat und nun von einer Manufaktur in ein modernes Industrieunternehmen überführt werden soll. Metallbau verpichtet, und so soll der Architekt Fritz Haller für die Gebäude ein Skelett aus Stahl schaffen. Aus dem logischen Ansatz entwickelt sich eine ästhetisch perfekte und industriellexible Architektursystematik. Schärer und Haller lassen den Gedanken der ständigen Anpassbarkeit, Erweiterbarkeit und Veränderbarkeit aber auch vor dem Innenleben von USM (Ulrich Schärer Münsingen) nicht Halt machen. Die Stahlrohrprototypen für den Eigenbedarf erregen so großes Aufsehen bei den Firmenbesuchern, dass die Möbel aus Metall wenig später als Einrichtungssystem in Serie gehen.

Geniales System: Die Möbel von USM Haller.

Ein Platz im Museum

Raster, das klingt beinahe engstirnig. Aber nur, wenn es falsch interpretiert wird. Nach der Lesart von USM Haller gibt der Rahmen den äußeren Halt, für den Inhalt ist dann jeder selbst verantwortlich – Denken im System liegt wie die Individualität in der Natur des Menschen. Denn gerade die Konsequenz der Rastermänner Schärer und Haller schafft und prägt das Zusammenspiel mit Räumen, anderen Möbel-formen und der Gebäudegestaltung. Der modulare Baukasten hat es bis in die permanente Designsammlung des Museum of Modern Art in New York geschafft.

Vom Punkt zur Linie zur Fläche. Die wichtigsten, bis heute unveränderten Bauteile sind die eingangs erwähnte Metallkugel, ein glanz-verchromtes 19-Millimeter-Rohr und eine recht-eckige, pulverbeschichtete Blechplatte. Die Kugel besitzt in sechs Richtungen eine Bohrung mit Gewinde, daran lassen sich die Rohre über einen ausgeklügelten Keil unsichtbar ver-binden – das geniale mechanische Geheimnis des USM-Möbelbausystems Haller. Die Verkleidungselemente in 14 Farben und die Ergänzung durch Glas und perforiertes Metall erzeugen in Kombination die schiere Unendlichkeit. Alle Produktinnovationen werden nach dem Grundsatz der „Rückwärtskompatibilität“ entwickelt – damit wird sichergestellt, dass jedes neue Systemteil in bestehende Strukturen integriert werden kann.

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„Jeder Mensch hat die Chance, Kunstwerke zu erzeugen. Ich habe das Bauen gewählt, um mich selbst und alles, was geschieht, zu verstehen.“

Fritz Haller

USM bleibt der Schweiz treu

Zeitloses Design funktioniert aber nur dann, wenn Material und Verarbeitung Langlebigkeit garantieren. Hochpräzise Verarbeitung und erstklassige, widerstandsfeste Ausgangsmaterialien stehen dabei im Vordergrund. Die entsprechenden Lacke für das Stahlblech von USM kamen schon früh vornehmlich von Wörwag. Da hatten sich zwei Firmenchefs gefunden, die überzeugt waren, bei ihren Produkten keine Kompromisse eingehen zu wollen. Wörwag setzt auf langfristige Beziehungen, die Partnerschaft wird heute von der Unternehmenstochter All-Chemie intensiv gelebt.

USM bleibt dem Standort Schweiz treu und investiert permanent in effiziente Herstellungsverfahren. Denn: keine Konstanz ohne Erneuerung, keine Kontinuität ohne Innovation. So ist auf dem USM-Areal in diesem Jahr eine neue Pulverbeschichtungsanlage entstanden, sie wird momentan noch auf die richtigen Parameter eingestellt. Das technische Schmuckstück liegt unterirdisch im Anschluss an die bestehenden Hallen, was sich positiv auf Temperaturschwankungen und Staubentwicklung auswirkt.

Außerdem – USM wäre nicht USM – entsteht noch Zusatznutzen: Obendrauf sind Mitarbeiterparkplätze entstanden, auf dem Platz der ehemaligen Pulverbeschichtungsanlage kann die Fabrikation ausgedehnt werden.Wie die Einrichtung, so der Mensch? Durch ihre Klarheit lassen sich USM-Möbelbausysteme unaufdringlich mit jeder Stilrichtung kombinieren und in jegliche Raumgestaltung einfügen, auch wenn sich Abläufe und Gewohnheiten ändern. Längst hat der Klassiker Einzug in unterschiedlichste Wohnwelten gehalten.

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Vision mit Weitblick: Die Möbel sind längst Designklassiker.

Regina Neubauer leitet das Wörwag-Kundenlabor Pulverlack.

Eine Frage des Prinzips

Reduce to the max, Reduktion ist zur globalen Lebensphilosophie geworden. Angeblich kann der Mensch auf 80 Prozent aller Dinge verzichten – und würde genauso gut zurechtkommen. Aber sicher nur dann, wenn das restliche Fünftel richtig durchdacht ist. Qualität und Nutzen schaffen Klassiker. Der Porsche 911, im gleichen Jahr geboren wie die USM-Idee, ist auch so ein Beispiel, entwickelt nach dem berühmten Gedanken, dass die Form der Funktion folgt. Klassik und Evolution müssen keine Gegensätze sein. Fritz Haller hat als Vermächtnis einen Leitsatz hinterlassen: „Jeder Mensch hat die Chance, Kunstwerke zu erzeugen. Ich habe das Bauen gewählt, um mich selbst und alles, was ge-schieht, zu verstehen.“ Am Ende ist alles eine Frage des Prinzips.

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Regina Neubauer

schätzt den direkten Kontakt zu den Kunden, den sie als Leiterin Kundenlabor Pulverlack hat. Zudem hält sie fest: „Als ich mich 1997 für die Stelle bei Wörwag entschieden habe, war die familiäre Atmosphäre im Betrieb ausschlaggebend.“

Nachhaltigkeit in  neuen Märkten

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