INTERNATIONALES PROJEKTMANAGEMENT

Mit leichtem Gepäck

Grenzen überwinden und dabei den Überblick behalten: Wenn Wörwag neue Märkte erschließt, sind die Kollegen vom Internationalen Projektmanagement auch fern der Heimat gefordert. Ein Leben aus dem Koffer – zwischen Improvisation und Detailplanung.

Drei Dinge

Drei Dinge braucht Georg Bussmann: Nassrasierer, Kreditkarte sowie Kopfhörer, die im Flugzeug den Lärm ausblenden. Dieses Notgepäck hat dem Leiter des Internationalen Projektmanagements bei Wörwag schon oft aus der Patsche geholfen: rasieren, Hotel und Essen zahlen, entspannen. Selbst wenn nach der Landung der Koffer fehlen sollte. Wer schlank packt, bekommt zwei Anzüge, acht Hemden und Unterwäsche ins Handgepäck. Behauptet Bussmann. Reisen heißt improvisieren. Zwanzig Jahre Erfahrung und eine gute Million Flugmeilen helfen dabei. „Mit fast jedem Projekt betreten wir Neuland. Aber wir dürfen es selbst gestalten. Dadurch bleibt die Aufgabe spannend“, strahlt der 43-Jährige, der rund zehn Wochen im Jahr für Wörwag um den Globus düst. Inzwischen könnte er ein Buch schreiben. Oder im Reisebüro aushelfen. Die beste Verbindung aus acht Flügen in sieben Tagen auf der Route Stuttgart, Paris, Detroit, Spartanburg, Dallas, San Luis Potosí, Mexiko-Stadt, Paris, Stuttgart hat Bussmann zuletzt selbst ermittelt. „Geschäftsreise heißt Leben aus dem Koffer“, schmunzelt er. Reisen ist Teil der Beschreibung seines Arbeitsplatzes. 

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Blick in den Koffer von Georg Bussmann

„Bevor ich zum ersten Mal in ein Land reise, informiere ich mich
über Kultur, Verkehrsmittel, Sicherheit und korrektes Verhalten.“

Wie eine Schaltzentrale

Wo immer Wörwag in den letzten Jahren einen Markt erschloss, war Bussmann beteiligt. Gerade das Auslandsgeschäft ist seit Ende der Neunziger enorm gewachsen. Im Jahr 2000 gründete Wörwag das Werk Lafayette im US-Bundesstaat Indiana, drei Jahre später die Fabrik im chinesischen Langfang. Bussmann arbeitete Laboranten ein, bediente Perlmühlen, besuchte Kunden. Im Fokus stand die Vermittlung des Fachwissens. Ob USA, China, Südafrika, Spanien oder Polen, mittlerweile sind die Töchter flügge und erfüllen dieselben Standards wie das Stammwerk. Anfang 2016 zog Wörwag aus dieser Entwicklung organisatorische Konsequenzen: Aus dem primär technisch ausgerichteten „International Technology Management“ wurde das Internationale Projektmanagement (IPM) als Schaltzentrale für Großprojekte mit Bezug zum Ausland. Angezeigt war dieser interne Strukturwandel deswegen, weil die operative Arbeit weniger, die Planung hingegen immer komplexer wurde. „Die Neuausrichtung der Abteilung erleichtert es uns, Abläufe effektiver und rationeller zu gestalten“, sagt Bussmann. Software wie Sharepoint oder Excel ersetzt Laborkittel und Lackierpistole. Deshalb wurden alle Mitglieder der Abteilung zu Projektmanagern fortgebildet und zertifiziert. „Ohne die neuen Strukturen hätten wir die jüngsten Projekte sicher nicht
so gut bewältigt.“

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„Geschäftsreise heißt Leben aus dem Koffer.“

Georg Bussmann, Leiter internationales Projektmanagement

In Rekordzeit

Das trifft auch auf den Vorstoß nach Mexiko zu. Den Brückenkopf, so Bussmann, habe eine kleine Truppe in Rekordzeit errichtet. Jetzt beginne die Detailplanung. Deren Schwerpunkt bildet die Koordination aller von einem Projekt betroffenen Kunden, Lieferanten und Kollegen. „Ein professionelles Projektmanagement ist bei den Aufgaben, die auf uns zukommen, unerlässlich“, betont Bussmann. „Die Kunden stellen sich zunehmend dezentral auf, die Anforderungen eskalieren und wir brauchen Verantwortliche, die den Überblick behalten.“ Einer davon ist Giuseppe Polito. In Mexiko betreut der 37-Jährige unter anderem einen Stammkunden, der nach Mittelamerika expandierte.Das IPM bildet in dem länderübergreifenden Projekt die Schnittstelle zwischen der Wörwag-Zentrale in Zuffenhausen, dem Werk in Lafayette, dem Kunden in Mexiko sowie der mexikanischen Produktion eines deutschen Automobilbauers. Polito: „Entscheidend ist, dass wir unsere Lacke zum Kunden bekommen. Deshalb bewerten wir im IPM bei der Umsetzung der Projekte jeden Schritt.“

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Giuseppe Polito unterwegs

Sigurd Tetz, Projektmanager

Auch Sigurd Tetz, der seit 1989 bei Wörwag arbeitet und an der Gründung der Auslandstöchter mitwirkte, kann hier seine Erfahrung ausspielen. „Als Pionier reiste ich von Land zu Land“, erinnert sich der 55-Jährige. Erst USA, dann Spanien, China, Südafrika. „Nie wusste ich, was mich erwartete, weder sprachlich noch kulturell“, sagt Tetz, der zeitweise von einem Tag auf den anderen den Abflug machte. „So ein Job geht nur, wenn die Familie hinter einem steht“, weiß er. Geplante vierzehn Tage USA verlängerten sich mitunter auf vier Wochen. „Planen“ hieß immer auch spontan sein. Wenn man ihn brauchte, war Tetz da.

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Kaichen Li, Projektmanager

Kaichen Li, bei Wörwag seit November 2014, hat neben der Projektarbeit zwei weitere Herausforderungen zu meistern: Schwäbisch verstehen und die Lacksprache lernen. Der Chinese ist Quereinsteiger. Der heute 30-Jährige kam im Alter von 14 nach Deutschland, in Essen studierte er Volkswirtschaft. Auf der Jobmesse „Chinese Talent Days“ in Köln lernte er Wörwag-Geschäftsführer Dr. Achim Gast kennen. „Er war überrascht, dass ich so gut deutsch sprach“, erinnert sich Li, der wenig später als Trainee nach Stuttgart ging. Innerhalb kürzester Zeit eignete er sich nicht nur Grundwissen über seine schwäbische Wahlheimat an, sondern auch das Fachvokabular. „Bei Wörwag lerne ich enorm viel“, freut sich Li. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Besonders beeindruckt hat ihn die Unterstützung durch die Kollegen, ob im Labor oder in der Produktion. Als Muttersprachler ist Li bei der Weiterentwicklung des Chinageschäfts eine große Hilfe. Im Moment betreut er ein technisches Projekt zur Umsetzung der Rezepturen mit Rohstoffen aus China. Noch werden die meisten Zutaten aus Deutschland importiert. Dank Li hat sich zudem die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Langfang vereinfacht.

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„Wenn ich nach China reise, ist das in erster Linie mein Job, weniger
eine Rückkehr in die Heimat. Im Gepäck habe ich stets Instantnudeln
und eine Thermosflasche.“

Petra Holzhüter, Projektsupport: „Ein Buch und Schokolade zum Entspannen am Abend habe ich immer dabei. Und einen Talisman,
den mir meine Tochter geschenkt hat.“

An der Heimatfront

Zum IPM-Team gehört auch Petra Holzhüter. Die 62-Jährige unterstützt die Kollegen bei Planung und Organisation. Obwohl sie wesentlich seltener dienstlich verreist, dreht sich auch bei der gelernten Chemieingenieurin alles um Internationalisierung. Die Erfassung der Rezepturen und der Angaben für Datenblätter obliegt ihr ebenso wie die Pflege der Modelldatenbank. Auf die zentral hinterlegten Informationen können auch die Auslandsstandorte jederzeit zugreifen. „Ich unterstütze die Kollegen bei der Aufbereitung oder der Recherche der Daten“, erklärt Holzhüter. „Dank meiner Laborerfahrung kann ich auch bei Entwicklungsfragen weiterhelfen.“ An neuen Aufgaben mangelt es nicht. Neben Mexiko hat Wörwag weitere neue Märkte im Visier. Schon bald wird Bussmann also wieder den Koffer packen. Wenn er dabei an seine drei guten Dinge denkt, dürfte auch künftig alles klappen.

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