Liebe zum Detail

Voller Einsatz

Von Las Vegas nach Venedig, anschließend aufs Matterhorn, dann nach Schweden: Im Miniatur-Wunderland Hamburg ist eine solche Reise innerhalb weniger Minuten möglich – als Spaziergang. Die perfekten Kulissen der größten Modelleisenbahn der Welt zieren zahllose Einsatz- und Sonderfahrzeuge, deren Vorbilder mit Wörwag-Produkten lackiert sind. Ein Rundgang durch ein gigantisches Spielzimmer.

In der Fantasiestadt Knuffingen ist die Feuerwehr im Dauereinsatz.

Leben im Maßstab 1:87

Steile Treppen führen vom malerischen Hafen hinauf zu den farbenfrohen Häusern. In den engen Gassen Riomaggiores bewegen sich die Bewohner nur zu Fuß. Fahrzeuge gibt es nicht. Die Gemeinde in der Provinz La Spezia an der italienischen Riviera ist das östlichste der fünf Dörfer der Cinque Terre. Über dem Idyll thront die Kirche San Giovanni Battista – und Michael Schmidt, der aufpassen muss, dass er nicht aus Versehen mit dem Knie den Hafen plattmacht. Seit fast einem halben Jahr bastelt der 60-Jährige an der kleinformatigen Replik.

Mit jedem Detail, das er millimetergenau aus Holz fertigt und im Modell platziert, haucht er Riomaggiore Leben ein, im Maßstab 1:87. Schmidt hat Tischler gelernt. Im alten Beruf brauchte er zum Setzen einer Treppenwange schon mal zwei Helfer und viele Arbeitsstunden. Jetzt hält er so ein Seitenteil zwischen Daumen und Zeigefinger und platziert es in wenigen Minuten millimetergenau. Als Schmidt vor fünf Jahren den Vorruhestand antrat, schloss er sich dem 30-köpfigen Modellbauteam in Hamburgs Miniatur-Wunderland an. „Wenn man weiß, wie viel Arbeit in diesen Modellen steckt, muss man sie einfach lieben“, sagt er und blickt versonnen über die roten, orangefarbenen, gelben und violetten Holzhäuschen. Dahinter erheben sich sanft die grünen Hügel der Toskana. Das Gras aus Kunststoff ist elektrostatisch geladen, damit die Halme wie in echt hochstehen.

Siegfried Hein

E-Mail siegfried.hein@woerwag.de
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Wunderland zum Anfassen: Liebe zum Detail steckt nicht nur in einzelnen Modellen.

„Wir tun alles dafür, dass der Besucher die Ausstellung lächelnd betritt und begeistert verlässt.“

Frederik Braun

Immer im Einsatz: die Einsatzfahrzeuge der Polizei sind mit Wörwag-Lack beschichtet.

1,2 Millionen Besucher im Jahr

Rom, die ligurische Küste, Venedig und die Toskana markieren vier Höhepunkte des neuen Abschnitts, der im September eröffnet wurde. Die kleine Wunderwelt, in die er sich einfügt, lockt jährlich 1,2 Millionen Besucher aus aller Herren Länder in die Hamburger Speicherstadt. Auf 1300 Quadratmetern ist in bislang 580 000 Arbeitsstunden ein einmaliger Mikrokosmos entstanden, der immer weiter wächst. „Wir tun alles dafür, dass der Besucher die Ausstellung lächelnd betritt und begeistert verlässt“, verspricht Mitgründer Frederik Braun. Das Konzept geht seit der Eröffnung 2001 auf. In der Liste der meistbesuchten Dauerausstellungen Europas belegt das Miniatur-Wunderland Hamburg Rang sechs.

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In der Arena lauert der Löwe

Was wäre Rom ohne Kolosseum? Teresa Liening baut das größte Amphitheater aller Zeiten nach. Genau genommen nur die Hälfte davon. Denn das Modell ist aufgeschnitten, damit die Besucher später ins Innere schauen können. Dort wartet bereits ein kleiner Löwe auf einen Mini-Verurteilten aus Plastik. „Für erste Fotos“, schmunzelt Liening, die gerade mit neuen Bauteilen aus der Fräswerkstatt kommt. Die Wände sind hohl, um die aufwendige Verkabelung aufzunehmen. Unzählige Leuchtdioden sollen das Bauwerk aus der Antike in ein besonderes Licht tauchen. Weiß? Gelb? Weiß-Gelb? Über die Farbe wird noch verhandelt.

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Wörwag stellt Basislacke für Nutzfahrzeuge her, darunter den Farbton Tieforange, der Kommunalfahrzeuge unübersehbar macht.

Die Fahrzeuge bewegen sich wie von Geisterhand – und geraten sogar in echte Radarfallen.

Wörwag stellt auch den Basislack Ginstergelb her.

930 Züge auf 13 Kilometern

Neben den Details der Modellbauten tragen die 930 Züge mit insgesamt 10.000 Wagons zur Faszination bei. Die Gleislänge summiert sich auf dreizehn Kilometer. Bedient wird die Anlage über einen einsehbaren Leitstand mit 76 Monitoren. 46 Computer steuern die Modellbahn. Zur perfekten Kulisse gehören überdies 10.000 Autos, fast 300 davon bewegen sich wie von Geisterhand auf den Straßen. Sie blinken, beachten rote Ampeln, überholen, beschleunigen, geraten in tatsächlich messende und blitzende Radarfallen, werden von der Polizei angehalten und fahren zurück zur Ladestation, sobald der Akku zur Neige geht. Zwanzig Mal in der Sekunde berechnet der Computer den Status jedes Fahrzeugs. Viele bewegen sich ohne programmiertes Ziel. So haben sie schon 1,4 Millionen Kilometer zurückgelegt. Kleine Magneten an den lenkbaren Vorderachsen führen die Autos. Ihren Weg finden sie über Drähte, die in die Fahrbahn eingelassen sind. Die Fahrzeuge weisen Scheinwerfer auf, Rückleuchten, Richtungs- und Warnblinker, Bremslichter, Blaulichtvarianten, Frontblitzer, Nebelscheinwerfer, Innenlicht und sogar Flutlichtstrahler.

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Glanzstück Flughafen

„Einer unserer Grundsätze lautet, uns jeder technischen Herausforderung selbst dann zu stellen, wenn sie anfangs aussichtslos erscheint“, erklärt Gerrit Braun, der die Miniaturwelt zusammen mit seinem Zwillingsbruder Frederik erschuf. „Mit dieser Einstellung haben wir immer wieder technische Lösungen entwickelt, die den Besucher staunen lassen.“ Dies trifft insbesondere auf den Flughafen zu, das bisher anspruchsvollste Projekt. In 150 000 Arbeitsstunden entstand binnen sechs Jahren der Nachbau des „Hamburg Airport“. Glanzpunkt ist die Simulation von Starts und Landungen im Minu-
tentakt. Dass sich manchmal zwischen eine Boeing 757-300 und einen A380 eine überdimensionierte Hummel mogelt, gehört zu den von manchen Modellbauern missbilligten, aber durchaus charmanten Note der Hamburger Modellbauer.

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Vorsicht, Bummel: Der Flughafen im Miniatur-Wunderland setzt aus vielen Gründen Maßstäbe.

Der Knuffinger Feuerteufel ist nicht zu fassen: In sechzehn Jahren brannte
das Schloss mehr als 700.000 Mal.

Streben nach Perfektion

Einer der Perfektionisten ist Jens Körner. Er kümmert sich seit 2003 um alles, was Räder hat. „Eine gewisse Verrücktheit, gepaart mit Begeisterung, braucht man für den Job“, meint er. Viele der Fahrzeuge stammen komplett von ihm und seinen Kollegen. Auch die Straßenkehrmaschinen, die in Rom in großer Zahl unterwegs sind. „Wir haben vor Ort den Verkehr unter die Lupe genommen. Diese Maschinen fielen uns auf“, so Körner. Technische Details wie Blinkfrequenz oder Bürstenform sind hier ebenso wichtig wie Farben und Aufdrucke. „Perfektion ist, wenn man ganz nah herangehen kann, und dann überlegt, ob es echt ist oder ein Modell.“

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Der Coca-Cola-Lastwagen und der rote Lack von Wörwag.

Der Truck, auf dem die deutsche Nationalmannschaft den WM-Triumph 2014 in Berlin feierte, war mit Wörwag-Lack beschichtet.

335.000 LEDs im Einsatz

Im Wunderland dauert der Tag eine Viertelstunde. In diesem Takt wird es dunkel und wieder hell. Die Nacht belebt eine funkelnde Kulisse aus 335.000 LEDs. Ideal für spektakuläre Einsätze. In der Fantasiestadt Knuffingen rückt alle zehn Minuten die Feuerwehr aus, mit bis zu 34 Fahrzeugen gleichzeitig. Stets werden die Brände zuverlässig gelöscht, nur der Feuerteufel entwischt regelmäßig. So brannte das Knuffinger Schloss in den sechzehn Jahren seiner Existenz mehr als 700 000 Mal.

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Großer Spaß in Mini-Erde

Das 2001 eröffnete Miniatur-Wunderland in der Hamburger Speicherstadt ist die größte Modelleisenbahn der Welt. Auf 6800 Quadratmetern reisen die Besucher durch Mitteldeutschland, Bayern, Hamburg, Österreich, die Schweiz, USA, Italien und Skandinavien. Die Ausstellung ist täglich von 9.30 bis mindestens 18 Uhr geöffnet. An ausgewählten Tagen, am Wochenende und
in den Ferien wird die Öffnungszeit verlängert.

Miniatur Wunderland Hamburg
Kehrwieder 2, Block D,
20457 Hamburg
Telefon +49 40 3006800
www.miniatur-wunderland.de

Weitere Länder in Planung

Weitere Länder in Planung Auf den Modellbauer Schmidt warten in Riomaggiore noch zahlreiche Details wie Balkone, Wäscheleinen, Möbel, Gardinen und viele liebevoll platzierte Figuren. Schließlich können die Besucher später in viele Zimmer hineinschauen. Im nächsten Saal entsteht der Vesuv. In Form von dauerfeuchtem Knetsand, einer passenden Lichtstimmung und Toneffekten soll der Vulkan später ausbrechen und spektakulär glühende Lava ins Tal schicken. Keine Frage: Die Arbeit geht Schmidt und Kollegen auch künftig nicht aus. Die Abschnitte Frankreich, England und Australien sind schon in der Feinplanung oder bereits im Bau. Auch in Hamburg gilt die Devise des Modellbaus: Das Werkeln ist die Hauptsache. Daher darf die Anlage nie fertig werden. Niemals.

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