Interview

„Wir haben gelernt, zu improvisieren“

Michael Krüger ist ein Wörwag-Urgestein. Seit 35 Jahren arbeitet er im Unternehmen, dreizehn davon in Kapstadt. An den südafrikanischen Betriebsalltag hat er sich längst gewöhnt. Eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht geplant.

Michael Krüger ist seit 2003 als Key-Account-Manager in Südafrika.

Herr Krüger, wie verschlägt es einen waschechten Schwaben nach Kapstadt?
Ich war jung, hatte noch keine Familie. Es machte mir nichts aus, tagelang unterwegs zu sein. Ich bin schon immer gerne gereist. Als Wörwag internationaler wurde, übernahm ich viele Auslandsjobs. Einer davon führte mich 1991 erstmals nach Südafrika.

Jetzt sind Sie älter, haben zwei Kinder und wollen bleiben?
Hier fühle ich mich sehr wohl. Momentan bin ich übrigens bei Wörwag der dienstälteste Mitarbeiter. Zum Unternehmen gehöre ich seit gut 35 Jahren.

In dieser Zeit hat sich die Firma sehr verändert, ist gewachsen und heute in vielen Ländern vertreten. Erinnern Sie sich an die Anfänge der Internationalisierung?
Sicher. Nach meiner Lehre als Lacklaborant fing ich 1984 in Stuttgart in der Basislackentwicklung an, wechselte dann ziemlich schnell in den technischen Außendienst. Ich war in Kanada im Einsatz, in den USA, in Mexiko und eben auch in Südafrika. Man rief mich an und ich setzte mich in den Flieger. Einer davon landete in Johannesburg.

Um welches Projekt ging es dort?
Einem Automobilzulieferer, der die Stoßfänger der Mercedes-C-Klasse beschichtete, haben wir den Lack geliefert.

„Die Kunden erwarten auch in Südafrika deutsche Wertarbeit. Darum müssen wir präsent sein.“

Michael Krüger

War das schon der Beginn des heutigen Erfolgs in Südafrika?
Es war der erste kleine Schritt. Richtig Fuß gefasst haben wir 1999 mit der zweiten Version der C-Klasse. In East London stellte der damalige Lieferant auf Hydrobasislack um. Unsere Versuche dazu haben sofort geklappt. Plötzlich waren wir im Spiel.

Wie viel Pionierarbeit haben Sie geleistet?
Jede Menge. Damals kommunizierte man ja noch überwiegend per Fax und Pager. Mit modernen Kommunikationsmitteln ist das heute wesentlich einfacher. Auch im Produktionsalltag mussten wir damals viel mehr improvisieren als heute.

Als Wörwag 2003 entschied, in Kapstadt eine Tochtergesellschaft zu gründen, haben Sie vermutlich nicht lange gezögert?
Ja, da war ich sofort dabei. Mit der Firma Duram haben wir uns in Kapstadt einen verlässlichen Partner für die Produktion ausgesucht. Allerdings gab es dort noch keine Erfahrung mit Kunststofflacken. Das Know-how stammt von uns. Zusammen mit Henry Pienaar kümmere ich mich seitdem um Produktion, Vertrieb und Service.

Michael Krüger

hat die Wörwag-Niederlassung in Kapstadt mitaufgebaut. Seit 2003 ist der 51-Jährige als Key-Account-Manager in Südafrika im Einsatz. Mittlerweile fühlt sich der leidenschaftliche Motorradfahrer hier heimisch. Krüger hat eine Südafrikanerin geheiratet und zwei Söhne (sieben und neun Jahre alt): „Deutschland vermisse ich nicht. Ich habe hier alles, was ich brauche: Familie, Meer, Berge, tolle Städte. Mein Leben spielt sich hier ab.“

Wie wichtig ist Kapstadt für Wörwag?
Wir sind hier klein, aber erfolgreich. Die Kunden erwarten auch in Südafrika deutsche Wertarbeit. Darum müssen wir präsent sein. Hier sind Mercedes und BMW die einzigen, die Hydrobasislacke einsetzen. Und wir liefern solche Produkte. Wie überall in der Autoindustrie spielt Qualität in Südafrika eine Hauptrolle. Daimler etwa fertigt in East London fast alle Modelle der C-Klasse. Die Fabrik wurde als bestes Zulieferwerk des Konzerns ausgezeichnet. Einen kleinen Anteil daran hat sicher auch unser Lack.

Worin liegen bei der Lackproduktion in Südafrika die größten Schwierigkeiten?
Wir haben gelernt, zu improvisieren. Manchmal fehlen Arbeiter, weil die öffentlichen Verkehrsmittel stillstehen. Dann kümmere ich mich selbst um den Lack. Oder der Strom fällt aus. Trotzdem sind wir immer mit allem pünktlich fertig geworden.

Welche Produkte werden in Kapstadt produziert oder vertrieben?
Mit unserem Partner Duram stellen wir in Kapstadt Hydroprimer und Klarlack her. Daneben vertreiben wir auch Basislacke und Härter. Die Basislacke werden von uns vor Ort auch getönt. Meine Kollegen und ich überwachen die Produktion und achten streng auf die Einhaltung der Rezepturen. Alle Rohstoffe werden aus Deutschland angeliefert. Hier setzen wir den Tönschritt an und kontrollieren anschließend die Farbtöne.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit Deutschland?
Ausgezeichnet. Mein Ansprechpartner in Stuttgart ist Sigurd Tetz vom International Technology Management. Soweit möglich, entscheiden wir selbst. Viele Probleme lösen wir an Ort und Stelle.

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