Innovationen

Clever und smart

Welche Rolle künftig Industrie 4.0, Big Data, künstliche Intelligenz
und Smart Home bei der Lackentwicklung spielen

Lacke per Mausklick ?

Werden Lacke bald nur noch per Mausklick entwickelt? Wir werden in Zukunft sicher mehr am Bildschirm arbeiten. Designer möchten jedoch immer etwas in der Hand halten und fühlen. Deshalb stehe ich der Simulation skeptisch gegenüber. Fürs Erste jedenfalls. Manches wird auch in zehn Jahren noch so sein wie jetzt. Trotzdem wird die Simulation immer wichtiger. Auf dem Weg zum neuen Produkt wird sie das entscheidende Werkzeug sein. Die Pigmente und Farbeffekte kennen wir ja. Zu jeder Kombination von Pigmenten errechnet der Computer im Farbraum eine Wirkungsmatrix. Wir wissen immer mehr über die einzelnen Farbtöne und wie sie sich verändern, wenn wir zwei Pigmente mischen. Wir kennen die Mengen und deren Wirkungen. Wenn ich den Computer mit diesem Wissen füttere, kann ich die ganze Farbentwicklung simulieren und somit virtualisieren. Am schwierigsten ist das bei den optischen Effekten. Aber wir verstehen immer besser, wie unsere Basisrezepte mit Farbpasten und Effektpigmenten zusammenwirken. Virtuelle Werkzeuge helfen uns, die Ergebnisse stetig zu optimieren. Am Ende sind tatatsächlich nur noch Mausklicks nötig.

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Nicole Hörner Teamleiterin Design, Pigmente, Pasten

Jürgen Ortmeier Leiter Flüssiglack-Technologien

Kann der Autokäufer künftig seine Wunschfarbe selbst mischen?

Das Design der Wagenfarbe wird zur Standardfunktion des Fahrzeugkonfigurators. Dann kann jeder zu Hause am Bildschirm seinen Wunschlack mischen. Technisch wird das in einigen Jahren machbar sein. Onlinetools visualisieren die Farbe in 3D. In der Lichtkabine kann man heute schon das lackierte Bauteil mit einem virtuell beschichteten Pendant am Rechner vergleichen. Reale und virtuelle Welt sind so verbunden, dass jede Bewegung des echten Werkstücks auf dem Bildschirm nachvollzogen wird. So lassen sich Original und Abbild aus jedem Blickwinkel vergleichen. Wir werden mehr Farbtöne haben, die Produktion wird schneller. Der Kunde dreht am Rädchen, sieht sofort den Farbton, schaut sich den Effekt in einer 3D-Simulation an, drückt auf den Knopf und die Rezeptur wird ausgespuckt. Das erfordert einen riesigen Datenpool. Dort ist auch hinterlegt, welche Kombination technisch möglich ist und welche nicht mehr funktioniert. Denn die Frage wird nicht mehr lauten, ob eine Farbe einfacher oder schwieriger herzustellen und zu applizieren ist, sondern nur noch, wie man sie am besten verarbeitet.

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Wie bringt man einem Lackierroboter das Denken bei?

In Zukunft verkaufen wir nicht einfach Lack in Dosen mit Etikett, sondern geben jedem Gebinde eine riesige Datenmenge mit: Material, Dichte, Pigmente, Festkörper. Damit arbeiten die selbstprogrammierenden Roboter der Lackieranlagen. Die Daten sind so mächtig, dass bereits die erste Lackierung passt. Wir peilen eine Losgröße von eins an. Dank künstlicher Intelligenz erkennt der Roboter von allein, welches Werkstück vor ihm steht. Er scannt das Teil, bestimmt die zu lackierenden Flächen, lackiert erst virtuell zur Probe, dann real und vermisst die Beschichtung. Stimmt die Lackdicke, kommt das nächste, gegebenenfalls komplett andere Bauteil an die Reihe. Damit das alles möglich wird, bauen wir schon heute Datenbanken auf. Wir verfolgen die Entwicklung sehr genau und betreiben auch hier Grundlagenforschung.

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Dr. Alexander Gissel, Leiter Verfahrenstechnik, Werkstofftechnik, Analytik

Dr. Markus Schmidtchen Leiter Entwicklung funktionelle Lacksysteme

Wird irgendwann auch Kleidung lackiert?

Bei Funktionstextilien gibt es das im Grunde schon. Aber andere Trends sind für uns wichtiger. So werden bei faserverstärkten Kunststoffen immer öfter Naturfasern in die Matrix gebettet. Dafür müssen wir spezielle Lacklösungen anbieten. Und mit der Zunahme der Elektromobilität steigt in der Autoindustrie die Bedeutung des Leichtbaus. Leichtbau heißt Materialmix. Eine Karosserie besteht nicht mehr nur aus Aluminium oder Stahlblech, sondern auch aus vielen Kunststoffen, deren Eigenschaften sich sehr unterscheiden. Manche sind hart, andere flexibel. Wir brauchen Lacksysteme, die bei 60 bis 80 Grad härten. Für Hybridkarosserien müssen wir Basislacke oder Systeme entwickeln, die alles können.

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Stehen die Trockner der Lackieranlagen bald im Museum?

Nein. Aber Lacke, die bei Raumtemperatur schnell aushärten, sind ein spannendes Thema. Lacke, die auf diesem Weg aushärten, könnten nahezu gleiche Eigenschaften haben, wie bisher konventionell trocknende Systeme. Im Prinzip können wir so etwas heute schon formulieren. Aber noch leiden die Produkte an Kinderkrankheiten, die wir in den Griff bekommen müssen. Den Reiz macht dabei nicht allein die Kostenersparnis durch geringeren Energieaufwand bei der Lackierung aus. Auch im Arbeitsablauf und in der Logistik ergeben sich Vorteile. Vor allem bei der Beschichtung großer Land- und Baumaschinen wären solche Lacke sinnvoll. Eine Straßenwalze etwa ist mit den heutigen Lacksystemen in einer zehn Grad kühlen Werkshalle nur mit enormem Aufwand zu beschichten. Wenn das Trocknen entfällt, können wir dem Kunden ein viel größeres Prozessfenster anbieten. Er kann dann seine Bauteile bei gleicher Qualität unter wesentlich flexibleren Bedingungen lackieren.

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Meike Kiraly Teamleiterin Klarlackentwicklung

Ist die Lackproduktion bald keine Kunst mehr?

Im Gegenteil: Vieles wird sich ändern. Die Herstellung von Lacken wird anspruchsvoller. Eine virtuell ermittelte Rezeptur sagt mir auf Kommastellen genau, wie viel ich von welcher Zutat brauche. Damit die Rechnung aufgeht, müssen wir extrem genau produzieren, sämtliche physikalischen Parameter der Halbfabrikate exakt vermessen, optimal einstellen und kontrollieren. Idealerweise ist die Produktion des Kunden mit unserer Lackherstellung vernetzt und die Daten werden in Echtzeit ausgetauscht. Trotz technischer Vernetzung wird der Mensch aber eine Hauptrolle behalten.

Jürgen Ortmeier Leiter Flüssiglack-Technologien

„Wir lassen unsere Produkte sprechen. Qualität überzeugt auch ohne große Worte. Ein weiterer Trumpf ist unsere Innovationskraft.“

Dr. Peter Moritz Geschäftsführer

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