Essay

Chrom

Stilsicher: Wenn es blitzt und spiegelt an den Fahrzeugen, schlägt das Herz der Automobil-Enthusiasten höher. Chrom macht nicht nur bei Old- und Youngtimern eine gute Figur.

Von Elmar Brümmer

Die Mode entdeckt dieses Jahr den Chromlook wieder. Automobil- oder Lackhersteller werden einwenden: Den hatten wir nie aus den Augen verloren. Denn unter den Metallen ist Chrom ein ganz besonderes, für viele sogar das schönste. Wie kaum ein anderes steht es für Glanz und Gloria.

Ja, richtig, Chrom ist ein Metall. Und obwohl es edel wirkt, kein Edel-, sondern ein Übergangsmetall. Chromverbindungen dienen oft als Pigmente in Farben und Lacken. Seinen Glanz entfaltet Chrom aber erst, wo es für sich stehen darf. Als Überzug einer Leiste an einem Oldtimer beispielsweise. So macht es Schönes noch ein bisschen schöner.

Das silbrige Metall wurde einst im Rotbleierz entdeckt und mit Säure herausgelöst. Weil seine Salze je nach Oxidationszahl in allerlei Farben strahlen, lehnten sich die Entdecker bei der Namensgebung an das griechische chroma (Farbe) an. Das Erz, aus dem man es gewinnt, heißt Chromit. Neuerdings strahlt sein Ruf auch im Internet: als „Chrome“ – so nennt sich der Browser von Google.

Chrom kann was. Weder läuft es an noch korrodiert es. Das erklärt seine Faszination: Es bleibt – im Wortsinn – stets glänzend in Form. Noch länger hält Hartchrom. Als Schicht auf Stahl, Eisen, Kupfer, Aluminium verbindet es den Schutz vor Verschleiß mit einem Hauch von Eitelkeit. Doch es geht auch leichter. Etwa wenn Kunststoffteile ihre Glanzverchromung erhalten. Oder Wasserhähne, Stuhlbeine, Hanteln. Das Spektrum läuft quer durch den Haushalt. Die Anziehungskraft des Chroms muss eine natürliche Reaktion sein. Warum sonst stürzen sich sogar Raben und Elstern auf alles, was glänzt? Attraktion kommt eben nie aus der Mode.

Elmar Brümmer, Magazinautor, der sich noch nie so glänzend mit einem Material verstanden hat.

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