Essay

Orange

Valenciaorange liefert Wörwag seit März 2011 für die Serienfertigung bei BMW.

Von Elmar Brümmer

Es war eine Farbe, die heute als Valenciaorange exklusiv für BMW produziert wird. In jenem Fall gehörte sie jedoch zu einem Opel aus den Siebzigern. In der Kleinanzeige stand lediglich „C-Modell“, nichts aber vom großartigen Mehrwert, seiner Lackierung: Orange. Und was für strahlendes! Drei Jahre hat der Lack uns zusammengehalten. Flower-Power serienmäßig, also Pop-Art auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die Nachbarn nannten ihn „Cadettiläc“.

So kam Orange als Lebensgefühl in meinen Alltag – im Buddhismus die Farbe der höchsten menschlichen Erleuchtung. Beim Kadett stellte sich diese nach dem gelegentlichen Batteriewechsel ein. Oh wie Orange! Das Spezi unter den Farben, der Cocktail aus Rot und Gelb. Angeblich die seltenste Farbe, die in Landesaggen vorkommt. Staatsoberhäupter, macht euch locker. Denn schon der Opel lehrt Farbpsychologie: Orange steht für Aktivität, Leidenschaft, Mode und Nähe. Außerdem für Geselligkeit, Wärme, Originalität und Vergnügen. Es könnte der Farbton des Schlaraffenlands sein.

Nein, Orange ist keinesfalls billig, es ist ja kein Plastik. Orange ist wertvoll, stärkt das Immunsystem und wirkt entspannend. Komisch, dass nur Autos so lackiert werden, und nicht gleich auch die Wände in Schulen, Wartezimmern und Behörden. Noch schöner: Orange altert nicht! Es verheißt den Traum ewiger Jugend. Warum wohl spielen Kinder verrückt, wenn sie Goldsche sehen? Psychologisch betrachtet steht die Lichtfarbe Orange auch für Kommunikation, der Kadett wirkte dank ihr so ansprechend. Das Auto ist längst abgemeldet, doch der Gedanke an die Sorglosigkeit bleibt.

Elmar Brümmer ist ein Magazinautor, der gern über Fahren, Farben und Formen schreibt.

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